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Hörtechnik Lesezeit 7 Minuten

Wandler und Kopfhörerverstärker: wann sich das Zwischenglied lohnt

Zwischen Quelle und Kopfhörer passt ein weiteres Gerät. Ob es sich lohnt, hängt an drei Zahlen und an einem einzigen Hörtest.

Kleiner schwarzer Kopfhörerverstärker mit Drehregler auf einem Schreibtisch, daneben ein aufgerolltes Klinkenkabel, blaue Betriebsleuchte, warmes Seitenlicht, Nahaufnahme
Ein kleiner Verstärker mit Drehregler, daneben ein aufgerolltes Klinkenkabel und eine blaue Betriebsleuchte.

Zwischen der Quelle und dem Kopfhörer lässt sich ein weiteres Gerät einbauen. Es heisst je nach Bauform Wandler, Kopfhörerverstärker oder beides in einem Gehäuse, kostet zwischen fünfzig und mehreren tausend Euro und wird mit Versprechen verkauft, die sich schlecht überprüfen lassen. Die nüchterne Antwort lautet: In etwa der Hälfte der Fälle ändert ein solches Zwischenglied hörbar etwas, in der anderen Hälfte nicht. Welcher Fall vorliegt, kann man vorher bestimmen, und zwar an drei Zahlen und einem Hörtest.

Zwei getrennte Aufgaben in einem Kästchen

Der Wandler macht aus einer Zahlenfolge eine Spannung. Diese Aufgabe ist seit Jahren technisch gelöst; selbst die Wandler in Telefonen und Notebooks messen sich heute so gut, dass ihr Eigenanteil an dem, was man hört, sehr klein ist. Der Verstärker macht aus dieser kleinen Spannung eine, die eine Schwingspule bewegen kann. Diese Aufgabe ist die interessantere, denn hier entscheidet sich, ob ein bestimmter Kopfhörer überhaupt richtig arbeiten kann.

Deshalb ist die erste Frage nicht, welchen Wandlerbaustein ein Gerät verwendet, sondern welchen Kopfhörer man antreiben will. Ein empfindliches Modell mit 32 Ohm und über hundert Dezibel je Milliwatt erreicht an jedem Anschluss Zimmerlautstärke. Ein Studiobügel mit 250 oder 300 Ohm braucht dagegen Spannung: Für hundert Dezibel Spitzenpegel liegen dort schnell mehrere Volt an, und viele Telefonausgänge liefern kaum zwei.

Rückseite eines kleinen Audiogeräts mit Klinkenbuchsen, Cinchausgängen und USB-Anschluss, ein Kabel steckt halb eingeschoben, kühles Arbeitslicht von oben, Makroaufnahme
Die Rückseite eines kleinen Wandlers, Klinke, Cinch und ein halb eingestecktes Kabel.

Die Ausgangsimpedanz, die niemand angibt

Es gibt eine Zahl, die den Klang stärker verändert als jeder Wandlerbaustein, und die in Datenblättern von Telefonen und Verstärkern oft fehlt: die Ausgangsimpedanz der Quelle. Sie bildet mit der Impedanz des Kopfhörers einen Spannungsteiler. Weil die Impedanz eines Kopfhörers nicht über alle Frequenzen gleich ist, sondern in der Bassresonanz stark ansteigt, verändert eine hohe Ausgangsimpedanz den Frequenzgang: Der Bass wird angehoben, das Klangbild weicher und ungenauer.

Als Faustregel gilt seit Langem ein Verhältnis von mindestens eins zu acht. Ein Kopfhörer mit 32 Ohm sollte also an einer Quelle mit höchstens vier Ohm Ausgangsimpedanz hängen. Bei den empfindlichen Mehrwege-Ohrhörern mit stark schwankender Impedanz ist der Effekt am deutlichsten hörbar, dort reagieren manche Modelle schon auf ein Ohm Unterschied. Genau das ist der häufigste Grund, warum derselbe Kopfhörer an zwei Geräten unterschiedlich klingt, ohne dass eines der beiden fehlerhaft wäre.

Der Nachregeltest

Hören Sie ein Stück mit tiefem Bass und deutlichen Spitzen bei Ihrer üblichen Abendlautstärke. Drehen Sie dann um zwei Stufen lauter. Wird der Bass dabei fester und die Stimme klarer, arbeitete die Quelle vorher an ihrer Grenze. Bleibt alles im Verhältnis gleich, brauchen Sie kein zusätzliches Gerät.

Wann sich ein Zwischenglied tatsächlich lohnt

Vier Fälle sprechen dafür. Erstens hochohmige Kopfhörer ab etwa 150 Ohm, die an mobilen Anschlüssen nicht laut genug oder ohne Bassfundament spielen. Zweitens sehr empfindliche Ohrhörer an einer Quelle mit hörbarem Grundrauschen, denn dagegen hilft ein Gerät mit niedrigem Eigenrauschen und ordentlichem Regelbereich. Drittens Notebooks und Bildschirme, deren Ausgänge oft Störgeräusche aus dem Netzteil mitführen; ein Wandler über USB umgeht diesen Weg vollständig. Viertens der praktische Fall: Ein Gerät mit grossem Drehregler auf dem Schreibtisch macht das leise Einstellen einfacher als ein Schieberegler auf einem Bildschirm, der in den untersten Stufen viel zu grob springt.

Gegen ein Zwischenglied spricht dagegen fast immer der Wunsch, damit einen mittelmässigen Kopfhörer zu verbessern. Das gelingt nicht. Die Reihenfolge der Wirksamkeit ist eindeutig: erst der Kopfhörer und sein Sitz, dann der Raum, dann die Quelle. Welche Bauart und welche Abstimmung beim leisen Hören tragen, steht in unserem Beitrag über Kopfhörer für kleine Lautstärke.

Kleiner USB-Adapter mit kurzem Kabel hängt am Anschluss eines Notebooks, daneben ein aufgeschraubter Kopfhöreranschluss, Bildschirmlicht und eine warme Lampe von rechts, Nahaufnahme
Ein kleiner Adapter am Notebook, daneben der Kopfhöreranschluss im Licht der Schreibtischlampe.

Was auf dem Datenblatt zählt

  • Leistung in Milliwatt, immer mit Angabe der Last: 100 mW an 32 Ohm sagt etwas, 1000 mW ohne Angabe nichts.
  • Ausgangsimpedanz, möglichst unter zwei Ohm.
  • Rauschabstand und Regelbereich, wichtiger als jede Verzerrungsangabe im Milliontelbereich.
  • Getrennte Ausgänge für hoch- und niederohmige Kopfhörer, falls beides im Haus ist.
  • Ein Regler mit ausreichend Weg im unteren Drittel, dort spielt man am Abend.

Nicht auf der Liste stehen der Name des Wandlerbausteins, die Unterstützung sehr hoher Abtastraten und die Frage nach symmetrischer Verkabelung. Für den Hausgebrauch mit kurzen Kabeln ändert Letztere hauptsächlich die Leistungsreserve, nicht den Klang. Und Abtastraten oberhalb der üblichen 44,1 oder 48 Kilohertz sind für die Wiedergabe eine Frage der Bequemlichkeit, nicht der Hörbarkeit; was beim Streamen tatsächlich ankommt, haben wir in unserem Beitrag über Bitraten, Normalisierung und Übergänge aufgeschrieben.

Ein Verstärker macht keine Musik besser. Er nimmt nur einen Grund weg, warum sie schlechter klingt.

Der Vergleich, der etwas taugt

Wer zwei Geräte vergleicht, sollte drei Fehler vermeiden. Erstens den Pegelunterschied: Schon ein halbes Dezibel mehr wirkt wie mehr Substanz. Man muss die Lautstärke angleichen, sonst gewinnt immer das lautere Gerät. Zweitens die Zeit: Das Klanggedächtnis ist kurz, ein Vergleich nach einer Woche misst die Erinnerung, nicht das Gerät. Drittens die Erwartung: Wer den Preis kennt, hört ihn mit.

Praktisch heisst das: dieselbe Stelle, zwei Geräte, Umstecken innerhalb weniger Sekunden, Pegel per Ohr angeglichen, und im Zweifel jemanden anderes umstecken lassen. Wenn dabei kein Unterschied bleibt, ist das ein gutes Ergebnis, denn es bedeutet, dass die Kette bereits arbeitet. Das Geld ist dann in einem Paar Lautsprecher besser aufgehoben, die im Zimmer stehen statt im Kopf: dazu unser Text über Nahfeldaufstellung in kleinen Räumen.

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